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Wenn man erschöpft ist – und trotzdem weitermacht

  • autorinhannawagner
  • 6. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit


Über eine Müdigkeit, die leise kommt und lange bleibt



Es gibt eine emotionale Erschöpfung, die man nicht sieht.

Sie macht kein Aufheben um sich und sie liegt auch nicht dramatisch auf dem Boden und ruft nach Hilfe. Sie steht auf. Sie erledigt. Sie lächelt an den richtigen Stellen.

Und irgendwann – meist viel später – merkt man, dass alles schwerer geworden ist. Nicht auf einmal, sondern schleichend. Als hätte jemand das Leben leise auf „anstrengender“ gestellt.



Die unsichtbare Erschöpfung


Man muss nicht zusammenbrechen, um erschöpft zu sein. Manchmal reicht es schon, immer weiterzumachen.

Diese Müdigkeit hat keinen klaren Anfang und kein sauberes Ende. Sie verschwindet nicht nach einer Nacht Schlaf. Sie bleibt, auch wenn man sich sagt: Eigentlich geht es doch noch.

Vielleicht ist es genau das, was sie so unsichtbar macht. Dass man funktioniert. Dass niemand fragt. Dass man selbst lange glaubt, es sei normal, sich so zu fühlen.

Bis selbst die kleinen Dinge schwer werden. Und man sich fragt, seit wann man eigentlich so müde ist. Doch eine richtige Antwort findet man nicht.



Warum wir trotzdem weitermachen


Wir machen weiter, weil wir es gewohnt sind und weil da Menschen sind, die zählen. Weil Verantwortung kein Wort ist, das man einfach ablegt wie einen Mantel.

Wir machen weiter, weil wir Rollen tragen, die wir uns nicht ausgesucht haben – oder weil wir sie in einer Zeit gewählt haben, in der wir kräftiger waren. Mutter. Partnerin. Kollegin. Tochter. Die, auf die man sich verlassen kann.

Und irgendwo dazwischen lebt dieser Gedanke: Ich darf jetzt nicht ausfallen. Nicht heute. Nicht jetzt. Vielleicht später.

Das ist kein Mangel an Selbstfürsorge. Es sind Loyalität und Liebe. Es ist der Versuch, das Leben zusammenzuhalten, auch wenn es an den Rändern schon franst.

Dass wir dabei oft uns selbst übersehen, ist kein Versagen, sondern ein menschlicher Reflex.



Warum „Zusammenreißen“ nicht heilt

 

Sich zusammenzureißen klingt nach Stärke, Disziplin und nach etwas, das man bewundern kann.

Aber Heilung ist kein Projekt, das man mit genug Willenskraft abschließt. Sie lässt sich nicht abhaken oder erzwingen, und sie reagiert auch nicht gut auf Druck.

Wer sich ständig zusammenreißt, hält oft etwas fest, das eigentlich gesehen werden will. Nicht, um schwach zu sein – sondern um ehrlich zu werden. Müdigkeit. Traurigkeit. Oder einfach die Wahrheit, dass es gerade zu viel ist.

Pausen sind kein Scheitern. Sie sind ein Schutzmechanismus. Ein leises Stopp, bevor etwas in uns bricht, das wir später mühsam wieder zusammensetzen müssten.

Und Langsamkeit? Sie ist kein Rückschritt. Sie ist manchmal das Einzige, was uns noch bei uns hält.



Eine leise Erlaubnis


Vielleicht ist es gerade genug, nicht weiterzukommen. Nicht voranzueilen oder nicht zu wissen, wie es weitergeht.

Vielleicht darf dieser Zustand bleiben, ohne erklärt zu werden. Ohne Begründung und ohne Rechtfertigung vor Dir selbst oder vor anderen.

Es ist okay, müde zu sein. Es ist okay, langsamer zu werden, auch wenn die Welt ein anderes Tempo vorgibt. Und es ist okay, noch keine Antwort auf die Frage zu haben, was als Nächstes kommt.

Manchmal ist das Mutigste nicht der nächste Schritt, sondern das Innehalten. Das ehrliche Eingeständnis: Ich bin hier. Und das reicht gerade.

 

In meinen Geschichten schreibe ich oft über Figuren, die genau hier stehen.

Nicht am Ziel. Nicht nach der großen Wandlung.

Sondern mitten im Innehalten. Mit müden Schultern und mit einem Herzen, das noch nicht weiß, wie viel Kraft ihm morgen zur Verfügung steht.

Vielleicht begegnen Dir diese Momente in »Mit all meinen Narben« oder in »Drawing Lines«. Nicht als Lösung, sondern als Spiegel.

Denn manchmal reicht es, zu lesen – oder zu wissen –,dass jemand diesen Zustand kennt. Und dass man darin nicht falsch ist.

 
 
 

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